Das Allgäu ist ein Übernachtungs-Revier, wie es kaum eine andere Ecke Süddeutschlands bietet: Du suchst dir einen Ort, schlägst dort für die ganze Woche dein Quartier auf und lässt das Gepäck liegen. Kein tägliches Ein- und Auspacken, kein Hotelwechsel, keine durchgeplante Etappenreise – abends stehst du wieder vor demselben Haus, das Motorrad sicher untergestellt, die Stiefel im Trockenraum. Das Allgäu kommt dieser Art zu reisen entgegen: Oberstdorf, der Alpsee bei Immenstadt, das Füssener Umland und die Täler rund um Bad Hindelang liegen dicht beieinander, und von einem gut gewählten Standort aus hast du morgens alles in kurzer Reichweite – ohne dass du dafür umziehen musst.
Dazu kommt die Vielfalt an Unterkünften. Vom bikergerechten Hotel mit abschließbarer Garage über den urigen Berggasthof, den Gasthof im Dorfkern, die Ferienwohnung für die Gruppe und den Bauernhof mit Frühstück bis zum Campingplatz am See – das Allgäu deckt jede Art zu übernachten ab, und in vielen Talorten zu günstigeren Preisen als am Tegernsee oder im Berchtesgadener Land. Diese Seite behandelt die Standortwahl, die Unterkünfte, die Rechtslage beim Zelten und den Buchungszeitpunkt, der in der Ferienzeit über das freie Bett entscheidet.
Die passenden Strecken, Touren und Region-Tipps im Allgäu findest du auf motorradallgaeu.de – unserem Motorrad-Guide für das ganze Revier.
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Talkessel im Süden, Seenrand im Vorland: zwei verschiedene Reviere
Das Allgäu zerfällt für die Quartierwahl in zwei Hälften, die fahrerisch so wenig miteinander zu tun haben wie zwei getrennte Reisegebiete. Der Süden zwischen Oberstdorf, Bad Hindelang und Balderschwang liegt in Tälern, die nach Norden entwässern und nur an wenigen Stellen quer verbunden sind. Wer dort schläft, hat die Bergstraßen direkt vor dem Haus, muss aber für jede Ost-West-Verbindung entweder über einen der wenigen Übergänge oder weit nach Norden ausholen. Zwei Talorte, die auf der Karte zehn Kilometer auseinanderliegen, können über die Straße eine Stunde trennen. Das ist der Preis für kurze Anfahrten zu den Kurven.
Das Alpenvorland mit den Seen im Ostallgäu und um Immenstadt herum funktioniert umgekehrt. Von dort führen mehrere gleichwertige Wege in die Berge, die Tagesrunden lassen sich freier zusammensetzen, und man ist nicht an ein einziges Tal gebunden. Dafür kostet jeder Tag rund eine halbe bis eine ganze Stunde Zuweg. Dazu kommt der Wetterunterschied: Der Alpenrand ist Staulage und bekommt bei Nordwestwind deutlich mehr Niederschlag ab als das Land zwanzig Kilometer weiter nördlich. Wer eine Woche bleibt und keine Lust auf drei durchnässte Tage hat, fährt mit einem Quartier im Vorland statistisch trockener. Im Herbst dreht sich das um: Dann liegt der Nebel im Flachland, und die Bergorte stehen darüber in der Sonne.
Der dritte Faktor ist die Höhe. Oberstdorf liegt auf gut achthundert Metern, Kempten und das nördliche Vorland mehrere hundert Meter tiefer. Pro hundert Höhenmeter rechnet man mit rund einem halben bis einem Grad weniger. Im Mai und im Oktober entscheidet das darüber, ob man morgens um acht bei sechs oder bei zwölf Grad losfährt, und ob die Straße im Schatten noch feucht ist.
Oberstdorf, Immenstadt, Bad Hindelang oder Ostallgäu: die Quartierorte im Vergleich
Über den Zuschnitt der Woche entscheidet weniger das einzelne Haus als der Ort, an dem es steht. Oberstdorf ganz im Süden ist das klassische Basislager: ein lebendiger Ferienort mit Häusern jeder Preisklasse, vom Wellnesshotel bis zur einfachen Pension, dazu Werkstätten und Einkehr in Laufweite. Wer es zentraler im Grünen mag, wählt Immenstadt am Alpsee – ruhiger, mit Blick aufs Wasser, viele Ferienwohnungen und Gasthöfe, und trotzdem gut angebunden. Bad Hindelang mit seinen Ortsteilen ist die Wahl für alle, die es urig-alpin wollen: Berggasthöfe, Bauernhöfe und familiäre Hotels, die den Motorradgast kennen.
Weiter nördlich liegt das Füssener Umland mit Pfronten und den Orten am Alpenrand – eine gute Mischung aus Hotels, Gasthöfen und Ferienwohnungen, oft etwas günstiger als die großen Namen und ideal, wenn du auch Königsschlösser und Seen vor der Tür haben willst. Und das Kempten-Umland im flacheren Voralpenland ist die preiswerte, unkomplizierte Basis: Landgasthöfe und Pensionen in den Dörfern, ruhig gelegen, mit Platz fürs Motorrad im Hof und meist schneller ausgebucht, als man denkt. Als Faustregel gilt: je weiter du in die Täler hineingehst, desto uriger und günstiger wird es – je näher an den Ferienzentren, desto mehr Komfort und desto höher der Preis.
Hotel, Gasthof, Berggasthof oder Ferienwohnung?
Das Allgäu ist bei der Unterkunft nicht wählerisch. Das klassische Motorradhotel ist die bequemste Lösung: abschließbare Garage, Trockenraum, Frühstück schon früh, oft ein Wirt, der selbst fährt. Der Gasthof im Dorfkern ist die bodenständige Allgäuer Variante – solide Zimmer über der Wirtsstube, deftige Küche und ein Hof oder eine Scheune, in der die Maschine trocken steht. Der Berggasthof hoch am Hang ist etwas für die eine besondere Nacht: einfach, urig, mit Bergpanorama vor dem Fenster – nichts für die ganze Woche, aber ein Erlebnis, wenn man einmal wirklich oben schlafen will.
Die Ferienwohnung lohnt sich vor allem für Gruppen: eigener Schlüssel, eigene Küche, Platz zum Trocknen, und aufgeteilt auf mehrere Fahrer oft günstiger als das Doppelzimmer. Eine Allgäuer Spezialität ist der Urlaub am Bauernhof – ruhig gelegen, familiär, mit Frühstück aus eigener Produktion und meist einem sicheren Fleck für das Motorrad im Hof; oft die günstigste und persönlichste Art zu übernachten. Wer nur eine Nacht bleibt und flexibel ist, findet zudem einfache Pensionen und Zimmer mit Frühstück in fast jedem Dorf.
Milchvieh, Heuernte und Viehscheid: der Jahresrhythmus hinter den Hofquartieren
Die Landwirtschaft im Allgäu ist Grünlandwirtschaft mit Milchvieh, kein Ackerbau. Das prägt die Quartiere auf den Höfen und die Straßen zwischen ihnen. Gemäht wird mehrfach zwischen Mai und September, jeweils in kurzen stabilen Wetterfenstern — und genau dann ist auf den Talstraßen und in den Hofausfahrten viel schweres Gerät unterwegs. Praktische Folge fürs Fahren: In den Erntewochen liegen Grasreste, Erde und Silageabrieb auf der Fahrbahn, oft mitten in Kurven im Talgrund und direkt hinter Kuppen. Trocken ist das harmlos, nach dem ersten Regen ist es das nicht mehr.
Als Unterkunft haben Höfe klare Stärken: ruhige Lage abseits der Durchgangsstraße, feste Frühstückszeiten, die eher früh als spät liegen, und in der Regel eine Halle oder Tenne, in der die Maschine trocken steht. Dazu gehört aber der Betriebsablauf. Der Stall wird früh bedient, die Maschinenhalle wird morgens gebraucht, und in der Erntezeit rangieren dort Traktoren. Ein Standplatz, an dem das Motorrad niemanden blockiert und trotzdem ohne Rangieren rauskommt, ist bei der Ankunft in zwei Minuten geklärt. Gerüche gehören dazu — bei Güllefahrten liegt das über dem ganzen Tal, nicht nur über dem Hof.
Der auffälligste Termin im Jahr ist der Viehscheid im September, wenn das Vieh von den Alpen zurück ins Tal getrieben wird. In den betroffenen Gemeinden ist das ein Großereignis mit Sperrungen, Ortsverkehr und Quartieren, die lange vorher belegt sind. Wer in dieser Zeit im Oberallgäu unterwegs ist, sollte wissen, ob sein Zielort an dem Tag dazugehört — als Erlebnis lohnt es sich, als Durchfahrtsplanung ist es hinderlich.
Übernachten auf der Alpe: Sennalpen und die kurze Alpsaison
Das Allgäu ist eines der großen Alpwirtschafts-Gebiete Deutschlands. Den ganzen Sommer über weidet das Vieh auf den Alpen hoch über den Tälern, und auf den Sennalpen wird aus der Milch vor Ort der berühmte Bergkäse gemacht. Viele dieser Alpen sind bewirtschaftet und laden zur Brotzeit ein – ein paar wenige haben auch einfache Lager oder Zimmer, in denen du wirklich einmal oben schlafen kannst. Das ist kein Hotelkomfort, sondern Matratzenlager und Bergpanorama, und genau das ist der Reiz.
Entscheidend ist die Saison: Der Alpbetrieb läuft grob von Juni bis in den September, danach endet er mit dem Viehscheid, und viele Alpen schließen. Wer dort oben nächtigen will, muss also in der warmen Jahreshälfte kommen und vorher anfragen – spontan an der Tür klappt selten, die Plätze sind begrenzt. Für die Anfahrt gilt der Motorrad-Blick: Etliche Alpen erreichst du nur zu Fuß oder über schmale, teils mautpflichtige Bergsträßchen, auf denen ein bepacktes Motorrad nichts verloren hat. Dann schläfst du im Tal und nimmst die Alpe als Etappenziel zu Fuß. Wer das Oberallgäu als Basislager nutzt, hat die klassischen Höhenstraßen ohnehin vor der Tür – der Riedbergpass zwischen Obermaiselstein und Balderschwang ist die höchste asphaltierte Passstraße Deutschlands und von Oberstdorf aus nur eine kurze Anfahrt.
Skiorte ohne Schnee: Infrastruktur, die Motorradfahrern entgegenkommt
Ein guter Teil der Allgäuer Beherbergung ist für den Winter gebaut. Orte wie Oberjoch, Balderschwang, Ofterschwang, Nesselwang oder Pfronten haben Bettenzahlen und Häuser, die auf die Skisaison ausgelegt sind. Im Sommer bringt das drei konkrete Vorteile. Erstens die Bausubstanz: Wo im Winter Autos vor Schnee geschützt werden müssen, gibt es überdurchschnittlich oft Tiefgaragen und geschlossene Einstellräume. Zweitens der Skikeller — beheizte Trockenräume mit Stiefelwärmern sind in Winterorten Standard und für nasse Kombis und Handschuhe ideal. Drittens Hallenbad und Sauna, die als Schlechtwetterprogramm taugen, wenn der Alpenrand einen Tag lang zumacht.
Der Haken sind die Zwischensaisons. Reine Wintersportorte fahren ihren Betrieb nach dem Ende der Skisaison herunter, und ein Teil der Häuser, Gaststätten und Bergbahnen hat im Frühjahr und im Spätherbst geschlossene Wochen. Wer im Mai oder Ende Oktober in einem hoch gelegenen Skiort schlafen will, prüft das für Unterkunft und Verpflegung getrennt — ein geöffnetes Hotel nützt wenig, wenn im Ort abends keine Küche mehr läuft. In Orten mit gleich starkem Sommergeschäft stellt sich die Frage nicht.
Mindestaufenthalt, Wechseltag und die Nebenkosten der Ferienwohnung
Ferienwohnungen sind im Allgäu die verbreitetste Unterkunft, und sie folgen einer Logik, die aus dem Familienurlaub stammt. In der Hauptsaison arbeiten viele Vermieter mit einem Mindestaufenthalt von einer Woche und einem festen Wechseltag, meist Samstag. Eine Motorradgruppe, die von Donnerstag bis Sonntag kommen möchte, fällt damit durch das Raster – nicht weil das Haus leer stünde, sondern weil die Restnächte bis zum nächsten Wechseltag unverkäuflich blieben. Außerhalb der Ferienzeiten lockert sich das, dann sind drei oder vier Nächte üblich, oft mit einem Zuschlag für kurze Aufenthalte.
Der zweite Punkt ist die Kostenstruktur. Beim Hotelzimmer ist der Preis der Preis; bei der Ferienwohnung kommen Positionen dazu, die den Vergleich verzerren:
- Endreinigung als einmalige Pauschale. Bei sieben Nächten fällt sie kaum ins Gewicht, bei zwei Nächten verändert sie den Übernachtungspreis erheblich.
- Bettwäsche und Handtücher werden nicht überall gestellt. Auf dem Motorrad ist Mitbringen keine Option, also gehört der Punkt vor die Buchung.
- Kaution bei größeren Objekten, häufig in bar bei der Schlüsselübergabe.
- Wäschewechsel bei längeren Aufenthalten, in der Regel gegen Aufpreis.
Für Gruppen mit vier bis sechs Fahrern bleibt die Wohnung trotzdem die günstigste Lösung, vor allem wegen der Küche und der Trocknungsmöglichkeiten. Zwei organisatorische Details sind dabei zu regeln: die Schlüsselübergabe bei später Ankunft, weil Privatvermieter keine Rezeption haben, und die Frage, wie viele Motorräder auf dem zugehörigen Stellplatz Platz finden. Eine Wohnung für sechs Personen wird oft mit einem einzigen Pkw-Stellplatz vermietet.
Wildcampen & Zelten – die Rechtslage im Allgäu
Wildcampen ist in Bayern grundsätzlich verboten. Das Bayerische Naturschutzgesetz erlaubt zwar, die freie Natur zu betreten – das Übernachten im Zelt gehört aber ausdrücklich nicht dazu. Wer zelten will, braucht die Genehmigung des Grundstückseigentümers; ohne die gilt das Aufschlagen als Wildcampen und ist untersagt. In Naturschutzgebieten, von denen es gerade im Allgäuer Alpenraum viele gibt, wird es richtig teuer: Bis zu 2.500 Euro Bußgeld sind für unerlaubtes Zelten oder Stehen möglich. Verlass dich also nicht auf „wird schon keiner sehen“.
Die einzige echte Ausnahme im Gebirge ist das Not-Biwak – das ungeplante Nächtigen aus einem triftigen Grund, etwa wenn dich am Berg das Wetter oder die Dunkelheit überrascht. Das ist kein Freibrief fürs geplante Zelten mit schöner Aussicht, sondern eine Notlösung. Die entspannte Alternative sind die legalen Wege: ausgewiesene Trekking- und Zeltplätze, das Zelten mit Erlaubnis auf einem Bauernhof und die klassischen Campingplätze (dazu gleich mehr). So schläfst du günstig und mit einer echten Dusche am Morgen – ohne dir Ärger und ein saftiges Bußgeld einzuhandeln.
Zeltplätze am Alpsee und Grüntensee, Stellplätze auf dem Hof
Wer mit Zelt reist, findet im Allgäu eine solide Auswahl an Campingplätzen – an den Seen, in den Tälern und am Rand der größeren Orte. Rund um den Alpsee, den Grüntensee und die Seen im Ostallgäu gibt es gut ausgestattete Plätze, viele davon ganzjährig oder zumindest über die warme Jahreshälfte geöffnet.
Neben den großen Ferien-Campingplätzen gibt es zunehmend Stellplätze auf Bauernhöfen und Höfen, auf denen mit Genehmigung auch das Zelt oder das Motorrad einen ruhigen Platz findet – kleiner, persönlicher und meist günstiger. In den Höhenlagen wie in den Tälern wird es auch im Hochsommer nachts empfindlich kühl, morgens ist alles klamm.
Kleinwalsertal: Österreich, das nur über Oberstdorf zu erreichen ist
Ein Kuriosum direkt hinter Oberstdorf: Das Kleinwalsertal gehört politisch zu Vorarlberg, aber die einzige Straße hinein führt über deutschen Boden. Von der Tiroler oder Vorarlberger Seite kommst du mit dem Motorrad nicht ins Tal – es ist eine Sackgasse, an deren Ende die Berge stehen. Du fährst über Riezlern, Hirschegg und Mittelberg bis nach Baad und musst dieselbe Strecke wieder zurück. Postleitzahlen und Telefonvorwahlen sind deutsch, die Versorgung läuft über das Oberallgäu, rechtlich gilt österreichisches Recht.
Für die Quartierwahl zählt vor allem die Geometrie: Jede Ausfahrt beginnt und endet mit derselben Talstraße durch die Ortsdurchfahrten von Mittelberg, Hirschegg und Riezlern, gefolgt von Oberstdorf. Das sind zweimal am Tag ein paar zähe Kilometer mit Tempolimits und Ortsverkehr. Wer täglich weite Runden über Tirol oder das Bregenzerwald-Gebiet fahren will, verliert dort Zeit. Wer abends Ruhe will und die Tagesziele nah im Oberallgäu sucht, gewinnt: Das Tal ist eine ruhige, eigene Basis mit vielen Gasthöfen und Pensionen, aber kein Durchgangsort.
Praktisch für die Anfahrt: Du brauchst keine österreichische Vignette, weil keine mautpflichtige Autobahn oder Schnellstraße ins Tal führt – es ist eine ganz normale Landstraße. Bezahlt wird in Euro, gesprochen wird deutsch, die Preise liegen auf dem Niveau eines gut gebuchten Alpenortes. Weil das Tal hoch liegt und im Winter ein Skigebiet ist, haben manche Häuser eine Zwischensaison mit geschlossenen Wochen. Als Quartier lohnt es sich vor allem, wenn du das ruhige Bergtal dem Trubel der großen Ferienorte vorziehst und ein festes Basislager für mehrere Tage suchst.
Füssen und Schwangau: warum das Bett nördlich oder östlich der Schlösserachse besser liegt
Am nördlichen Alpenrand stehen mit Neuschwanstein und Hohenschwangau die meistbesuchten Schlösser Deutschlands, und um Füssen und Schwangau überlagern sich deshalb zwei Verkehrsströme, die nichts miteinander zu tun haben. Der eine ist der Schlösserbesuch: Reisebusse und Mietwagen mit festen Zeitfenstern, konzentriert auf den Vormittag und den frühen Nachmittag, mit Rückstau auf den Zufahrten und vollen Parkflächen. Der andere ist Transit — der Verkehr aus Richtung Augsburg und Ulm nach Reutte und weiter über den Fernpass. Der bricht an Wochenenden in der Ferienzeit los, unabhängig davon, ob gerade jemand ein Schloss besichtigt.
Für die Unterkunft heißt das weniger, wie teuer das Zimmer ist, sondern auf welcher Seite dieses Nadelöhrs es steht. Liegt das Quartier so, dass man morgens durch die Engstelle muss, um zu den Bergstraßen zu kommen, verliert man an jedem einzelnen Tag Zeit und Nerven — auch bei kurzen Ausfahrten. Liegt es nördlich oder östlich davon, fährt man in die andere Richtung los und passiert die Schlösserecke höchstens abends. Ein zweiter Punkt betrifft An- und Abreise: Wer samstags in der Ferienzeit über diese Achse kommt, plant besser früh am Tag oder spät am Abend.
Preislich ist die Ecke ein Sonderfall, weil sie nicht von der Motorradsaison lebt. Die Häuser direkt am Schloss sind ganzjährig durch internationalen Städte- und Bustourismus belegt, entsprechend früh ausgebucht und mit Hotspot-Preisen versehen; das Niveau reagiert nicht auf das, was Motorradfahrer im Juni oder September nachfragen. Wer hier auf den letzten Drücker ein Bett sucht, zahlt drauf oder findet gar nichts mehr. Beim Parken gilt dasselbe wie bei allen Massenzielen: Die Flächen sind für Busse und Pkw ausgelegt, Motorräder sind dort ein Randthema.
Der ruhigere und günstigere Weg führt ein paar Kilometer weiter ins Ostallgäu. In den Dörfern rund um Nesselwang, Halblech oder Roßhaupten bekommst du für weniger Geld ein ruhiges Quartier mit Platz fürs Motorrad und hast die Schlösser trotzdem als kurze Tagesetappe vor der Tür. Ein Zimmer im Umland ist nicht nur billiger, sondern auch besser verfügbar, wenn kurzfristig disponiert wird. Die Gegend selbst ist ein starkes Revier – Alpenrand, Seen, die Grenze zu Tirol gleich dahinter – nur als Schlafort meidest du den Rummel und stellst deine Maschine lieber im stillen Dorf ab. In der Hauptsaison und an langen Wochenenden buchst du auch hier besonders früh.
Eine Talstraße weiter: Quartier in Tirol und Vorarlberg
Die Grenze verläuft mitten durch das Fahrgebiet, und für die Quartierwahl ist sie durchlässig. Das Tannheimer Tal, das Außerfern um Reutte und das Lechtal liegen von Pfronten, Oberjoch oder Füssen aus in kurzer Reichweite und haben eine dichte Beherbergung mit Häusern in allen Kategorien. Für Fahrer, die ihre Tagesrunden ohnehin über Tirol legen, entfällt damit die tägliche Rückfahrt über den Alpenrand.
Ein paar Unterschiede kommen mit dem Grenzübertritt:
- Vignette — Autobahnen und Schnellstraßen in Österreich sind mautpflichtig, auch für Krafträder. Landstraßen über die Grenze sind es nicht. Bei einem Quartier im Tannheimer Tal oder im Lechtal, das über Landstraßen erreicht wird, entsteht kein Zwang zur Vignette; Anfahrten über die Inntalautobahn oder die Fernpassachse sind gesondert zu betrachten.
- Aufenthaltsabgabe — an die Stelle des bayerischen Kurbeitrags tritt die österreichische Ortstaxe, ebenfalls pro Person und Nacht.
- Alkoholgrenze — in Österreich gelten eigene Werte und eigene Strafrahmen, ebenso bei Geschwindigkeitsüberschreitungen. Die Bußgelder liegen erkennbar über dem deutschen Niveau.
- Zahlungsmittel — Euro auf beiden Seiten, in kleineren Häusern in Tirol ist Barzahlung noch verbreiteter als in Bayern.
Fahrerisch ändert sich mit der Grenze der Charakter des Reviers. Die Tiroler Seitentäler sind höher gelegen, die Straßen führen weiter hinauf, und die Distanzen zwischen den Orten sind größer. Ein Standort dort verlagert das Programm in Richtung Passfahrten, während das Oberallgäu mehr kurze, dichte Runden bietet.
Treppen, Zimmerlage und die tägliche Gepäck-Logistik
Der Allgäuer Gasthof ist häufig ein gewachsener Altbau: Wirtsstube im Erdgeschoss, Zimmer in zwei Obergeschossen, enge Treppen mit gedrehtem Antritt, kein Aufzug. Das fällt beim Buchen niemandem auf und am Anreiseabend sofort. Ein Alukoffer-Paar, ein Topcase und ein Tankrucksack wollen nach oben, am nächsten Morgen wieder nach unten, dazwischen fährst du eine Woche lang leicht. Zwei Wege gibt es: Das Gepäck bleibt komplett im Koffersystem und wandert nur einmal hoch, oder du packst eine Tasche als Innengepäck, die sich in einem Zug tragen lässt. Die zweite Variante ist der Grund, warum Innentaschen für Koffer bei Reisefahrern seit Jahrzehnten üblich sind.
Bei der Zimmerwahl zahlen sich zwei Fragen aus. Erstens die Lage im Haus: Ein Zimmer im ersten Stock zur Hofseite verkürzt die Wege und liegt weg von der Straße. Zweitens der Platz für die Ausrüstung. Kombi, Helm, Stiefel, Handschuhe und Regenzeug brauchen eine Fläche, die ein Standard-Doppelzimmer mit zwei Personen nicht vorsieht. Ein Ständer oder ein freier Stuhl reicht für eine Person, für zwei Fahrer nicht.
Ältere Häuser lösen das oft über einen separaten Raum im Keller oder neben der Garage. Sprich diesen Punkt beim Buchen an, dann wird das Zimmer entsprechend vergeben. Bei Knieproblemen oder nach einer langen Etappe ist ein Erdgeschosszimmer mit kurzem Weg zum Hof mehr wert als der Balkon mit Bergblick im zweiten Stock.
Das Motorrad über Nacht: offener Hof, Sicht von der Straße, Sicherung
Nicht jedes Quartier hat eine Garage, und in vielen Landgasthöfen steht die Maschine im Hof oder auf einer Parkfläche neben dem Haus. Für eine Nacht ist das unkritisch, für eine Woche lohnt der genauere Blick. Entscheidend sind drei Dinge: Einsehbarkeit von der Durchgangsstraße, Beleuchtung und die Möglichkeit, an einen festen Punkt anzuschließen. Ein Bügelschloss allein sichert das Rad gegen Wegrollen, gegen Anheben und Abtransport hilft nur die Verbindung zu einem Geländer, einem Pfosten oder untereinander bei mehreren Maschinen.
Bei der Ausstattung zählt Kleinkram: Navigationsgerät und Tankrucksack gehören abends mit ins Zimmer, ebenso der Helm. Ein Helm am Lenker ist über Nacht eine Einladung und bei Feuchtigkeit am nächsten Morgen unbrauchbar. Eine leichte Abdeckplane schützt vor Tau und Nachtregen und nimmt die Maschine gleichzeitig aus dem Blickfeld. In Häusern mit Innenhof und Toreinfahrt fragst du beim Einchecken, ob das Tor nachts geschlossen wird — das ist der Unterschied zwischen Hof und Parkplatz.
Ein Wort zur Fläche selbst: Wiesen- und Schotterflächen sind im Allgäu verbreitet, und nach einem Gewitter sinkt der Seitenständer ein. Eine flache Kunststoffplatte oder ein Stück Holz gehört ins Gepäck. An Hanglagen kommt die Ausrichtung dazu — quer zum Gefälle mit dem Ständer bergseits abgestellt, kippt kein Motorrad über Nacht um.
Pflege und kleine Arbeiten am Quartier
Nach drei Tagen Alpenrand mit Regen und Straßenstaub sieht die Maschine entsprechend aus, und die Kette hat Wasser gesehen. Was am Quartier machbar ist, hängt vom Betrieb ab; ein paar Grundsätze gelten überall. Kettenspray nebelt weit über den Kettenkasten hinaus und hinterlässt Flecken auf Pflaster und Betonboden, die bleiben. Ein aufgeschnittener Karton unter dem Hinterrad löst das Problem in dreißig Sekunden. Betriebsstoffe wie Altöl gehören zurück in den Handel oder zum Wertstoffhof, niemals in den Hausmüll oder in den Hofablauf – das regelt das Abfallrecht, nicht die Höflichkeit.
Waschen ist der zweite Punkt. Fahrzeugwäsche auf privatem Grund mit Abfluss in den Boden oder in die Regenwasserkanalisation ist in Deutschland nicht zulässig, viele Gemeinden regeln das per Satzung zusätzlich. Ein Eimer mit Wasser und ein Lappen für Scheibe, Scheinwerfer und Kennzeichen sind unstrittig, der Hochdruckreiniger im Hof ist es nicht. In den größeren Orten gibt es Waschanlagen mit Abscheider, die auch Motorräder annehmen.
Für alles darüber hinaus — Reifen, Bremsen, Elektrik — sind die Werkstätten in Kempten, Sonthofen und im Ostallgäu die richtige Adresse. Im Sommerhalbjahr sind die Termine dort gefragt; ein Anruf am Morgen bringt eher einen Platz am selben Tag als das Erscheinen am Nachmittag. Häuser, die viele Motorradgäste beherbergen, haben in der Regel eine feste Adresse, an die sie verweisen, und der Anruf des Wirts wirkt dort oft schneller als der eigene.
Heubad, Kneipp und Erholung: Regeneration fürs Bikerkreuz
Das Allgäu ist nicht nur Kurvenrevier, sondern auch eine der ältesten Bäder- und Kur-Landschaften Deutschlands – und das zählt nach einem langen Fahrtag. In Bad Wörishofen hat Sebastian Kneipp seine Wasser-Kur begründet, Oberstaufen ist für die Schrothkur bekannt, und Bad Hindelang ist Kneipp- und Moor-Heilbad. Wer abends Rücken und Schultern spürt, findet hier mehr als nur ein Bett.
Eine regionale Spezialität ist das Heubad: Du liegst warm in frischem Bergheu, Kräuteraroma und Wärme lockern Muskeln und Gelenke – gemacht für alle, die den ganzen Tag in der Sitzhaltung auf der Maschine verbracht haben. Manche Bauernhöfe und Wellnesshotels bieten Heubäder, Kneipp-Güsse oder Moorpackungen direkt im Haus an. Für die längere Motorradreise zahlen sich ein bis zwei solcher Erholungs-Nächte aus, statt Etappe an Etappe zu reihen. Gerade wer nicht mehr mit zwanzig unterwegs ist, kommt so deutlich erholter durch die Woche und sitzt am nächsten Morgen wieder locker im Sattel.
Kurbeitrag, Gästekarte und was am Ende wirklich auf der Rechnung steht
Das Allgäu hat eine hohe Dichte anerkannter Kur- und Erholungsorte, und in denen wird ein Kurbeitrag pro Person und Übernachtung erhoben — vom Vermieter eingezogen, unabhängig davon, ob man ein Hotelzimmer, eine Ferienwohnung oder einen Zeltplatz belegt. Der Betrag steht in vielen Angeboten nicht im ausgewiesenen Zimmerpreis. Bei zwei Personen und drei Nächten ist das eine Position, die man kennen sollte, bevor man Häuser miteinander vergleicht.
Die Gegenleistung ist die Gästekarte, die je nach Ort Bus, Bäder, Museen oder Bergbahnen vergünstigt oder freistellt. Für Motorradfahrer bleibt dieser Gegenwert gering: Man fährt selbst, statt den Ortsbus zu nehmen, und die meisten Vergünstigungen zielen auf Familien und Wanderer. Was die Karte umfasst, unterscheidet sich von Gemeinde zu Gemeinde erheblich.
Umgehen lässt sich der Beitrag nur über die Ortswahl, nicht über die Unterkunft. Landgemeinden im Vorland ohne Kur- oder Erholungsort-Prädikat erheben ihn nicht. Im Kleinwalsertal gilt das österreichische Pendant. Wer telefonisch oder per Mail direkt beim Haus anfragt, sollte deshalb nach dem Endpreis inklusive aller Abgaben fragen, nicht nach dem Zimmerpreis.
Schulferien, Nebensaison und wie früh du buchen musst
Die Quartier-Saison im Allgäu läuft grob von Mai bis Oktober, mit einem klaren Preis- und Belegungs-Muster: Sobald die bayerischen und baden-württembergischen Schulferien beginnen, ziehen die Preise an und die guten Häuser füllen sich. Das gilt besonders für die Sommerferien im Hochsommer und für lange Wochenenden über die Feiertage. Willst du in dieser Zeit in Oberstdorf, am Alpsee oder in Bad Hindelang schlafen, buch früh – Wochen im Voraus ist keine Übertreibung, weil das Allgäu auch bei Familien und Wanderern beliebt ist und du mit vielen anderen um dieselben Betten konkurrierst.
Deutlich entspannter und günstiger fährst du in der Nebensaison: Mai, Juni und September sind die schönste Zeit für ein ruhiges, bezahlbares Zimmer, weil das Wetter oft stabil ist und die Ferienmassen fehlen. Auch unter der Woche ist mehr frei und billiger als am Wochenende. Wer flexibel ist und außerhalb der Ferien reist, findet selbst kurzfristig noch ein gutes Quartier – während in der Hauptsaison manchmal nur noch die teuren Restbetten übrig sind. Berggasthöfe und höher gelegene Häuser öffnen teils nur in der warmen Jahreshälfte.
Wenn die Portale nichts mehr zeigen: Gästeinfo vor Ort und Allgäu GmbH
Wenn du vor Ort noch etwas brauchst – eine Unterkunft für die nächste Nacht, einen Tipp zu einem Hof oder einfach Kartenmaterial – sind die örtlichen Tourismusbüros die richtige Anlaufstelle. Fast jeder größere Ort hat eine besetzte Gästeinformation: Tourismus Oberstdorf, die Info-Stellen in Immenstadt am Alpsee, in Bad Hindelang, in Pfronten und Füssen sowie in Kempten helfen bei der Zimmersuche, auch wenn die Portale nichts mehr anzeigen.
Für die Planung von zu Hause aus ist die Allgäu GmbH die zentrale, überregionale Anlaufstelle – sie bündelt die Unterkunfts- und Gastgeber-Informationen der ganzen Region und verweist auf die örtlichen Stellen weiter. Ein Anruf oder eine kurze Mail lohnt sich besonders dann, wenn du in der Hauptsaison reist und trotzdem noch ein Bett suchst: Die Leute vor Ort wissen oft von einer freien Ferienwohnung oder einem Gasthof, der online gar nicht auftaucht. So sicherst du dir dein Quartier auch dann, wenn die üblichen Wege längst „ausgebucht“ melden.
Woran du ein gutes Motorradhotel im Allgäu erkennst
Nicht jedes Haus ist auf Motorradfahrer eingestellt. So sieht es bei den 24 Häusern aus, die hier gelistet sind:
Abschließbare Garage
Garage oder Carport: 9 von 24 Häusern. Die Maschine steht nachts trocken und aus dem Blick.
Trockenraum
Trockenraum: 3 von 24 Häusern. Nasse Kombi und Handschuhe sind morgens wieder tragbar.
Schrauberecke & Waschplatz
Schrauberecke: 1 von 24 Häusern. Werkzeug, Kettenspray und ein Platz zum Abspritzen.
Tourentipps vom Wirt
Tourentipps vom Gastgeber: 7 von 24 Häusern. Gefahrene Strecken statt Prospektrouten.
Ladepunkt
Lademöglichkeit: 4 von 24 Häusern. Für alle, die elektrisch unterwegs sind.
Geprüfte Bewertungen
Gästebewertungen liegen vor für 24 von 24 Häusern.
